Hochgeschwindigkeits-DSL für unterversorgte Orte des Zweckverbands Linkes Weserufer

 Nach jahrelangen intensiven Bemühungen können Detlev Kohlmeier, Walter Eisner und Andreas Götz in Sachen Breitband Erfreuliches vermelden: Die „weißen Flecken“ von bisher unterversorgten Orten werden im nächsten Jahr zu fast 100 % verschwunden sein, und das mit VDSL2-Technik, der modernsten Technik, die derzeit auf dem Markt verfügbar ist. Sie ist als Hochgeschwindigkeits-DSL besonders leistungsfähig und wird meist nur in Ballungsräumen eingesetzt.    ausbauliste-der-orte-im-zweckverband1.pdf

Für die Umsetzung konnten die Gemeinden den Breitbandanbieter MegaAccess aus Hessen gewinnen. MegaAccess hat sich auf den Breitbandausbau ländlicher Räume spezialisiert und betreibt in Hessen bereits in zahlreichen Gemeinden leistungsstarke Breitbandnetze.
Die drei Einzelprojekte haben in der Summe ein Investitionsvolumen von über einer halben Million €. Gefördert werden die drei Vorhaben durch das Land Niedersachsen. Die drei Kommunen bringen aus eigenen Mitteln einmalig in der Summe rund 22.000 € für die Finanzierung der Netze auf.

„Mit diesem Projekt schaffen wir ein 1a-Versorgungsangebot, von dem unsere Bevölkerung und unsere Betriebe im nächsten Jahr spürbar profitieren werden und das die Gemeinden als Wohn- und Wirtschaftsstandorte deutlich nach vorn bringt“, meint Detlev Kohlmeier, Samtgemeindebürgermeister von Marklohe. „Besonders hervorzuheben ist das innovative technologische Konzept, das dahinter steckt. Wir bekommen Hochgeschwindigkeits-DSL in die unterversorgten Dörfer mit Bandbreiten, wie sie für den ländlichen Bereich absolut ungewöhnlich sind. Was ich vor allem positiv finde: Hier wird das technologische Konzept der Machbarkeitsstudie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) für die Modellregion Marklohe umgesetzt, das auf der CEBIT 2008 der Fachwelt vorgestellt wurde und in Fachkreisen bundesweit Beachtung fand. Vielleicht kann dieses technologische Konzept tatsächlich beispielgebend werden. Eins muss aber in aller Deutlichkeit gesagt werden: Nur dank der Unterstützung und Förderung des Landes und der GLL Sulingen konnte dieses Konzept verwirklicht werden.“

„Aus eigener Kraft würden wir Kommunen Vorhaben dieser Art kaum bzw. nicht schultern können, auch wenn sie noch so zukunftsweisend ist. Das ist Fakt“, so Walter Eisner, Samtgemeindebürgermeister von Liebenau. „Ein ganz besonderer Dank gilt Herrn Tim Brauckmüller vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Sein Ministerium hat sich trotz schwieriger Ausgangsvoraussetzungen des Themas Breitbandausbau beherzt angenommen und in kurzer Zeit vergleichsweise viel bewegt. Ein Wort des Dankes gilt auch den Mitarbeitern der GLL Sulingen. Sie haben das Vorhaben vorbildlich unterstützt und zügig bearbeitet“.

„Vielleicht kann dieses Projekt im Ergebnis auch ein kleines Stückchen dazu beitragen, einen produktiven Wettbewerb der überzeugendsten technologischen Konzepte im Land voranzubringen“, so Andreas Götz, Bürgermeister des Fleckens Steyerberg. „Was für mich am vorliegenden technologischen Ausbaukonzept des VDSL2-Netzes besonders in Auge springt, ist neben der leistungsstarken Technik vor allem der hohe Abdeckungsgrad. Für uns Bürgermeister ist es schließlich wichtig, dass möglichst alle Dörfer versorgt werden. Bis auf Einzelhäuser und kleine Weiler in Randlagen werden alle bisher unterversorgten Dörfer im Zuge des Breitbandausbaus mit Hochgeschwindigkeits-DSL erschlossen. Bezogen auf den Flecken Steyerberg wären dies die Dörfer Wellie, Deblinghausen samt Hesterberg, Düdinghausen, Bruchhagen und Sehnsen. Das kann sich sehen lassen. Wenn man sich so umhört bei anderen Kommunen, kenne ich kaum bzw. keine Breitbandprojekte mit einem solch hohen Abdeckungsgrad, und ganz gewiß nicht bei vergleichbarem Mitteleinsatz.“

„Ich denke auch, dass unser technisches Konzept hinsichtlich Leistung, Kosten-Nutzen-Verhältnis und Abdeckungsgrad im ländlichen Raum keinen Vergleich zu scheuen braucht“, so Klaus Landefeld, Geschäftsführer von MegaAccess. „Im übrigen sind wir ein Breitbandbetreiber, bei dem die Endkunden zu bezahlbaren Tarifen direkt DSL nutzen können. Vielleicht ein paar Erläuterungen für Nichttechniker zu unserem Vorgehen. Kern unserer Technik und unseres Netzes sind die so genannten DSLAM-Kästen in VDSL2-Ausführung. Hier setzen wir die modernste am Markt verfügbare Technik ein. Konkret installieren wir neben den Kabelverzweigern der Deutschen Telekom unsere eigenen DSLAM-Kästen und verbinden beides miteinander. Nahe der DSLAM-Kästen haben wir Empfangsantennen, die per Richtfunk zielgenau angefunkt werden. Die Empfangsantennen sind kleiner als Fernsehsattelitenschüsseln. Vom Kabelverzweiger aus werden die Endkunden über das bereits vorhandene Telefon/DSL-Kabel versorgt. Statt dem bisherigen ISDN- oder DSL„light“-Anschluß mit deutlich weniger als 1000 kBit/s kann der Kunde bei uns bis zu DSL 16000 empfangen, und zwar symmetrisch. Das alles im Umkreis von bis zu  700 m um den KVZ herum, was die Masse der Anschlüsse betrifft. Von der installierten Technik her ist künftig noch deutlich mehr Leistung möglich, das werden wir entwickeln.“

„Hat sich der Betrieb des Breitbandnetzes wirtschaftlich gefestigt, kann in einer weiteren Ausbaustufe sogar die Ansteuerung der DSLAM-Kästen über Richtfunk durch eine kabelgebundene Lösung ersetzt werden, wobei die Richtfunkansteuerung zuerst bedeutend kostengünstiger ist“ ergänzt Theresa Kluck, Projektleiterin von MegaAccess.

„Ich glaube auch, dass dieses Projekt, gerade was das innovative technologische Konzept und das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrifft, für andere interessant sein dürfte“, so Dieter Korte, Geschäftsführer des Zweckverbands Linkes Weserufer. „Ansonsten ist dieses Projekt ein schönes Beispiel dafür, wie die einzelnen Gemeinden und deren Bürger und Betriebe direkt von der interkommunalen Zusammenarbeit profitieren. Dem bevorstehenden Breitbandausbau gehen jahrelange Vorarbeiten unter der Regie des Wirtschaftsförderers Christian Alvermann voraus, die die Ressourcen der einzelnen Kommunen überfordert hätten. Begonnen hat das gemeinsame Bemühen damit, dass der Zweckverband bereits im Jahr 2006 eine flächendeckende DSL-Bedarfserhebung durchführte. Diese zählte in dieser Größenordnung zu den ersten in Niedersachsen.

Fachlich schon früh unterstützt wurde der Zweckverband durch das Breitbandkompetenzzentrum in Osterholz. Zu Teilerfolgen kam es 2007 beim Ausbau kleinerer Breitband-Netze, aber auch zu Rückschlagen wie der Absage des Breitbandanbieters DBD im gleichen Jahr nach langer Vorauswahl. Beharrlichkeit zahlt sich dennoch aus. Beim Bundeswirtschaftsminsiterium (BMWI) wurde noch im gleichen Jahr eine Bewerbung als Untersuchungsregion für eine Machbarkeitsstudie eingereicht, mit der Samtgemeinde Marklohe als Schwerpunkt, die im Zweckverband am intensivsten von der Unterversorgung betroffen war. Die von Detlev Kohlmeier initiierte Bewerbung hatte Erfolg und das BMWI ließ eine Machbarkeitsstudie für die Modellregion Marklohe als eines von 6 bundesweiten Projekten durchführen. Nicht zuletzt, weil das BMWI davon beeindruckt war, wie viel Vorarbeit bereits im Zweckverband schon geleistet worden war und wie entschlossen die Kommunen eines Teilraums versuchten, die DSL-Unterversorgung zu überwinden.

Ich denke, dass mit dem jetzigen VDSL2-Vorhaben eine jahrelange interkommunale Arbeit in Sachen Breitband zum Wohle der Bürger erfolgreich zum Abschluß gebracht wird und freue mich, dass im nächsten Jahr mit Hilfe des Landes fast alle „weißen Flecken“ bei uns von der Landkarte verschwunden sein werden.“